Frieden und Atomkraft: Kubas Weg
Der XVI. Gipfel der Blockfreien Staaten behandelte unter anderem die Frage der friedlichen Nutzung der Atomenergie; in Kuba ist sie bereits seit mehreren Jahrzehnten Praxis.
Quelle
Granma Internacional
Datum

Der XVI. Gipfel der Blockfreien Staaten behandelte unter anderem die Frage der friedlichen Nutzung der Atomenergie; in Kuba ist sie bereits seit mehreren Jahrzehnten Praxis.

Der friedliche Einsatz der Atomenergie hat in Kuba seit den ersten Jahren nach dem Sieg der Revolution 1959 einen langen, zuweilen zurückhaltenden, aber stets verantwortungsbewussten Werdegang hinter sich.

Diese Form der Nutzung ist heute durch die Internationale Atomenergiebehörde OIEA der Vereinten Nationen geregelt, welche von Kuba als kompetente Autorität anerkannt wird, um die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages sicherzustellen, den die Insel ebenfalls unterzeichnet hat.

Die Anfänge dieser Praxis gehen auf die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück, als Geräte zur Röntgentherapie eingeführt wurden. Allerdings existierten zum damaligen Zeitpunkt weder Regelungen zur Kontrolle der Nutzung radioaktiver Quellen, noch zum Schutz des mit diesen Geräten operierenden Personals. Nach 1959 wurde die Atomenergie zunächst weiterhin zu medizinischen Zwecken verwendet, wobei sukzessive die Maßnahmen zum Schutz gegen die möglichen Bedrohungen für Leben, Gesundheit, Einrichtungen und Umwelt verbessert wurden.

Auf diese Weise wurde in den sechziger Jahren die Infrastruktur für den Gebrauch der Nukleartechnik in der Biomedizin und der Radiobiologie geschaffen, bis dann später vermehrt die Radiopharmazie eingesetzt wurde (Radiopharmaka oder sogenannte Tracer sind Substanzen, die in den Körper eingeführt und deren Verteilung aufgezeichnet werden, um Stoffwechselprozesse abzubilden; dieses Prozedere hat eine frühzeitige Diagnose bei Knochenkrankheiten, Herzbeschwerden und in der Krebsdiagnose möglich gemacht, ebenso im Falle von Infektionen und Nierenerkrankungen).

Später, im Jahr 1976, unterzeichneten Kuba und die Sowjetunion im Rahmen eines bilateralen Abkommens ein Atomstromprogramm, welches den Aufbau eines Atomkraftwerkes im in der Provinz Cienfuegos gelegenen Juraguá und zwei weiterer Anlagen im Westen und im Osten der Insel vorsah.

Wenngleich der Niedergang des sozialistischen Lagers die Verwirklichung jenes Teils des Projektes, welcher sich auf die Generierung von Atomstrom bezog, vereitelte, wurden doch andere Linien des Programmes verstärkt fortgeführt. Beispielsweise eröffnete Fidel Castro 1987 das Zentrum für Angewandte Studien der Entwicklung der Nuklearenergie, in dem Forschungen im Bereich der Kernphysik, Radiobiologie, Materialwissenschaft, Analytischen Chemie und Atomstromerzeugung durchgeführt und darüber hinaus die Anpassung und Entwicklung neuer Technologien und medizinischer Geräte vorangetrieben wurde.

Eiserne Vorschriften

Die Anwendung und das Experimentieren auf dem Feld des sensiblen Bereiches der Nutzung der Atomenergie ist in Kuba Gegenstand notwendiger Kontrollen seitens der Regierung und anderer Institutionen.

Die Insel hat gleichermaßen stets die nicht-militärischen Zwecke dieses Verfahrens unter Beweis gestellt und ist mit Nachdruck dafür eingetreten, dass die Anwendung nuklearer Energiequellen in dieser Richtung ein unbestreitbares Recht eines jeden Staates ist.

In Kuba wurde bereits 1979, also zu einem frühen Zeitpunkt, eine Atomenergiekommission gegründet. Deren Verantwortungsbereiche gingen aber mit der Einrichtung des Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Umweltschutz (CITMA) und seiner Nuklearagentur im Jahr 1994 größtenteils an diese Einrichtungen über.

Schließlich erteilte im Jahr 2000 der Gesetzeserlass Nr. 207 „Über den Nutzen der nuklearen Energie" fast einem Dutzend von Organen und Institutionen entsprechende Aufgaben zu diesem Thema, unter ihnen unter anderem das CITMA, die Ministerien für Öffentliche Gesundheit sowie Grundstoffindustrie, und löste damit die Anfang der siebziger Jahre geschaffene Kommission wieder auf.

Darüber hinaus wurde 1991 das Nationale Zentrum für Nukleare Sicherheit gegründet, welches in diesem Bereich Arbeitsroutinen mit akzeptablen Sicherheitsniveaus verankerte und somit die Möglichkeit nuklearer und radioaktiver Unfälle reduzierte.

HOCHAUSGEBILDETE EXPERTEN

Ein weiterer entscheidender Punkt für die Entwicklung auf dem Gebiet der Atomkraft war die Ausbildung geeigneter Spezialisten. Aus diesem Grund wurde 1987 das Institut für Nuklearwissenschaft und -technologie gegründet, mit den Spezialgebieten Radiochemie, Physik und Nuklearingenieurwesen. Auf der anderen Seite wurde Kuba 1980 Teil des Internationalen Systems für Nuklearinformation. Dadurch wurde ermöglicht, die kubanische Literatur zum Thema weltweit zu verbreiten, was eine internationale Anerkennung mit sich brachte.

Schon zum damaligen Zeitpunkt wurde zur Gewährleistung der entsprechenden Veröffentlichungen im Inland die Zeitschrift Nucleus geschaffen, welche während 24 Jahren ununterbrochen erschien und als das gedruckte Gedächtnis des kubanischen Nuklearprogrammes gilt.

Als ein jüngeres Beispiel für Arbeiten, die eine breite Anerkennung genossen haben, ist aufzuführen, dass sich das Institut für Nuklearwissenschaft und -technologie (INSTEC) durch ein multizentrisches, internationales Studium der Erforschung von Isotopen und superschweren Elementen, welches in der Deutschen Zeitschrift European Physical Journal A erschien, in der Forschungselite positionierte. So schildert es der Fachmann Ricardo Arencibia in seinem Artikel „Meilensteine der kubanischen Wissenschaft im 21. Jahrhundert. Eine Übersicht auf der Grundlage der in Scopus meistzitierten Arbeiten während des Zeitraums 2006-2010".

Nach den Worten dieses Experten haben 2010 verschiedene Arbeiten kubanischer Forscher internationale Aufmerksamkeit erregt; unter ihnen stechen vor allem die durch das Zentrum für die Technologieanwendung und die Nuklearentwicklung durchgeführten Studien hervor.

NULL ATOMWAFFEN

Am 4. November 2002 unterzeichnete Kuba den Atomwaffensperrvertrag. Dies nicht nur, um die weitere Verbreitung dieser Vernichtungsmittel zu verhindern, sondern vor allem, um aus der Mitte der Vertragspartner heraus für die totale Abschaffung dieser Art Waffen zu arbeiten.

Im selben Jahr wurde das Abkommen zur Ächtung von Atomwaffen in Lateinamerika und der Karibik, das Tlatelcolo-Abkommen, unterzeichnet - der Tatsache zum Trotz, dass die einzige Atommacht in beiden Teilen des amerikanischen Kontinentes eine feindselige Politik gegenüber Kuba aufrecht erhält, die auch die Anwendung von Gewalt nicht ausschließt. (Entnommen aus Cuba Ahora) .