Der venezolanische Präsident sprach aus Anlass des zehnten Jahrestages des Umfassenden Abkommens über Zusammenarbeit zwischen der Bolivarianischen Republik Venezuela und der Republik Kuba im kubanischen Fernsehen
Juan Diego Nusa Peñalver und Pedro de la Hoz
Die Erfahrung eines halben Jahrhunderts radikaler Veränderungen in Kuba und das Jahrzehnt, das seit dem Wahlsieg der bolivarianischen Bewegung in Venezuela vergangen ist, münden nun in eine Aktualisierung der sozialistischen Ideen als einzige und unabdingbare Antwort auf die Erwartungen der Völker beider Länder und der anderen Länder Unseres Amerikas.
Mit dieser Feststellung beendete gestern Abend der Präsident der Bolivarianischen Republik Venezuela, Hugo Chavez, seinen besonderen Auftritt im kubanischen Fernsehen aus Anlass des Zehnten Jahrestages der Unterzeichnung des Umfassenden Abkommens der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten.
Am 30. Oktober 2000 besiegelten Fidel und Chavez in Caracas diese transzendentale Vereinbarung, die ein Paradigma der Zusammenarbeit unter Lateinamerikanischen Nationen darstellt.
"Zehn Jahre danach, hat uns Kuba, allein im Gesundheitswesen, geholfen, 6.712 Ärztepraxen für das Volk einzurichten, während vorher die medizinische Betreuung im Land zu einem Luxus geworden war", verwies Chavez
Mit einer Kopie jener Vereinbarung in der Hand erinnerte der venezolanische Staatschef an den Kontext, in dem sie unterzeichnet wurde, zu einem Moment, an dem die neue Bolivarianische Republik nicht einmal ein Jahr alt war. "Sie war ein Baby und wir waren im Jahr 2000", sagte er.
Er stellte klar, dass das am 30. Oktober war. "Das war in jenen Tagen, an denen ich beim Baseballspiel Fidel ein Strike Out verpasste, obwohl der Schiedsrichter entschied, ich hätte zu hoch geworfen, darüber werden wir uns nie einig werden", scherzte er.
Chavez hob hervor, dass jene Tage unvergesslich waren, jener fünfte Besuch Fidels auf venezolanischem Boden.
Als er an die Reisen des kubanischen Führers in die Heimat des Libertadors erinnerte, führte er an, dass die erste im Jahr 1948 erfolgte, als er noch nicht geboren war.
Er fügte hinzu, dass es in seinem Land eine nationalistische Regierung gab, die von Rómulo Gallegos, die nach wenigen Monaten gestürzt wurde. Er wurde gestürzt "und ging übrigens nach Kuba". Und setzte hinzu, dass das erste, was der große Schriftsteller von Doña Bárbara, Canta claro, Pobre negro, Sobre la misma tierra, usw. sagte, als er in Havanna ankam, war "die Yankees haben mich niedergeworfen", wegen des Erdöls.
Er gab an, dass danach die Sierra Maestra kam, die kubanische Revolution, "und Fidel kam am 23. Januar 1959 nach Caracas und hielt seine denkwürdige Rede auf jenem Platz. Unter den Zuhörern dieser Rede, und mir wurde gesagt, er hörte sie im Stehen, war Pablo Neruda", stellte er heraus.
Er erläuterte, dass der dritte Besuch Fidels 30 Jahre danach erfolgte, im Februar 1989.
Zu dieser Zeit arbeitete ich im Weißen Palast von Miraflores.
"Ich habe mit diesen Augen Fidel Castro gesehen, der über den langen Gang direkt auf das Büro des Präsidenten zuging, wo sich Carlos Andrés Pérez befand, in Begleitung von Daniel Ortega, und ich grüßte beide militärisch."
Er sagte, dass kurz danach der Caracazo kam und die bolivarianische Revolution begann.
Er führte an, dass der vierte Besuch im Jahr 1999 erfolgte, an dem Tag, an dem "dieser einfache Soldat von der Präsidentschaft Besitz ergriff, als Teil dieses revolutionären Prozesses", und dass der fünfte Besuch Fidels im Jahr 2000 war, nach dem Prozess der Konstituierenden Versammlung und der Annahme der neuen Verfassung.
nur Kuba verteidigte den Sozialismus
In diesem Rahmen, erläuterte Chavez, verteidigte nur Kuba den Sozialismus, während in Venezuela eine Flamme entfacht worden war, die noch nicht klar war. "Wir hatten weder den Sozialismus als Fahne übernommen, noch hatte die Revolution diesen Weg eingeschlagen."
Als Fidel in jenem Oktober 2000 nach Caracas kam, wurde das Kooperationsabkommen unterzeichnet, dieses hier, das sehr großzügig war.
Er erinnerte daran, dass sich Venezuela nur dazu verpflichtete, Kuba Lieferungen von Rohöl und Derivaten zu senden, wie es der Artikel drei besagt, von bis zu 53.000 Barrels, mit einem kleinen Prozentsatz der Finanzierung, was Venezuela mit vielen Ländern Mittelamerikas und der Karibik getan hat. In jenen Tagen müssen die Erdölpreise bei 20 bis 25 Dollar pro Barrel gelegen haben.
"Wir sagten," unterstrich er, "dass wenn das Barrel bei 15 Dollar oder darüber lag, der Prozentsatz der Finanzierung 5% vom Rechnungswert betragen würde, und so steigerte es sich dann. Wenn das Barrel 30 Dollar überstieg, betrug die Finanzierung 25%. Das war nicht einmal ein Preisabschlag, das war eine Finanzierung, die jedes Land, wie Kuba und viele andere, wie eine Schuld akzeptierte. Es wurden Papiere unterzeichnet, um sie mittel- oder längerfristig zu tilgen. So begann die Vereinbarung.
Der Journalist Randy Alonso erinnerte daran, dass Chavez eine größere Menge vorgeschlagen hatte, was großzügig gegenüber der kubanischen Revolution war, wegen der Situation, die Kuba in jenem Moment hatte, und Fidel darum bat, dass die Menge kleiner sein sollte, da Venezuela zuerst seine Umstände beachten musste.
Der venezolanische Präsident erinnerte sich daran, dass er 1994 nach Kuba gekommen und durch diese Straßen der kubanischen Hauptstadt gegangen war, auf denen kaum Fahrzeuge zu sehen waren, bedingt durch die zugespitzte wirtschaftliche Situation, die die Kubaner als periodo especial (Sonderperiode) bezeichneten. "Die Lichter Havannas wurden hier für zwei oder drei Stunden am Tag angeschaltet. Die Blockade schloss sich und Fidel, dieser Gigant, den wir hier haben, und dieses gigantische Volk hielten der Blockade stand", stellte Chavez klar, der sich auf den Kontext jener harten Jahre durch den Zusammenbruch der Sowjetunion bezog, während sich Lateinamerika dem Konsens mit Washington hingab.
Dies fiel mit meinem ersten Besuch in Havanna in jenem Jahr 1994 zusammen, und wir fühlten uns revolutionär und mit einer Verantwortung nicht nur Kuba gegenüber. Diese Vereinbarungen boten wir ganz Mittelamerika und der Karibik an, nur dass es viel Angst gab, sich uns zu nähern, und viel Druck von Seiten der Vereinigten Staaten.
Er erinnert sich daran, wie er sagte, dass er Fidel vorschlug, der Insel täglich nahezu 100.000 Barrels zu schicken und Fidel sagte, dass er das nicht akzeptierte: "Chavez, ich kann das trotz der enormen Not, in der sich Kuba befindet, nicht akzeptieren, denn ihr steht am Beginn", und es stimmte, wir hatten diese soziale Schuld, denn als ich nach Miraflores kam, gab es kein Geld, um Gehälter zu bezahlen, sondern nur zwei oder drei Monate später; die Armut in Venezuela lag bei 60 %, das Elend bei fast 25 %, die Arbeitslosigkeit bei 20 %.
Das Erdöl, berichtete er, wurde verschenkt, denn Venezuela, das sich den Interessen des Imperiums gegen die Organisation der Erdölexportländer (OPEC) unterordnete, produzierte viel mehr Erdöl, als tatsächlich gebraucht wurde. Damit wurden die Preise sehr niedrig gehalten.
Er setzte hinzu, dass es eine schreckliche Situation war im Venezuela des Punto-Fijo-Abkommens, mit einem fast vollkommen privatisierten Gesundheitswesen. In den öffentlichen Krankenhäusern musste bezahlt werden, das Bildungswesen war privatisiert, es gab eine hohe Quote der Kindersterblichkeit und eine sich galoppierend ausbreitende Unterernährung.
Die erste aufgabe: die revolution konsolidieren
"Venezuela lag", wie er hinzusetzte, "am Boden, und Fidel, der sich dessen bewusst war, sagte zu mir: ´Chavez, das erste, was ihr machen müsst, ist, euch zu konsolidieren, so dass Kuba das nicht annehmen kann.´"
Er hob hervor, dass sie die ganze Nacht über redeten und am Ende zu dieser Vereinbarung über 53.000 Barrels pro Tag kamen, die Kuba bezahlte, denn nur ein Prozentsatz wurde finanziert.
Der Staatschef des Andenlandes bezog sich auf den Artikel vier der Vereinbarung und auf alles, wozu sich Kuba verpflichtete, wie das Angebot medizinischer Dienstleistungen, von Fachkräften und Technikern des Gesundheitswesens. "Und ich erinnere mich, dass Fidel eigenhändig einen Paragraphen verfasste, diese Formulierung, die besagte ´an Orten, wo dieses Personal nicht zur Verfügung steht.´"
Er hob hervor, dass die Insel begann, industrielle Unterstützung zu geben, außer auf sozialem Gebiet, in den Bereichen der Bildung, des Gesundheitswesens, der Industrie, vor allem der Zuckerindustrie, der Medikamente, Beratung und Anleitung im Tourismus, der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelwirtschaft.
Das Dokument, stellte der venezolanische Präsident fest, umfasste auch technische Projekte sowie postgraduale Studien in Kuba, die Produktion biologischer Schädlingsbekämpfungsmittel, "und all das ist erfüllt worden".
Diesbezüglich erläuterte er, dass die erste Vereinbarung, an deren Erfüllung man ging, "und ich würde sagen, die schönste von allen", diejenige war, nach der Kuba begann, kostenlos Tausende von Venezolanern, die unter verschiedenen Krankheiten litten, nach Havanna zu bringen, was weiterhin beibehalten wird, wodurch insgesamt mehr als 23.000 Patienten mit ihren Angehörigen in mehr als 300 Flügen von Cubana de Aviación nach Kuba kamen.
"Also Leben, Gesundheit, Bildung, Fortschritt. Was für einen großen Beitrag doch das Volk Kubas und die kubanische Revolution für die Bolivarianische Revolution geleistet haben. Danke, Kuba. Ich werde einmal José Martí etwas abändern: Sage Kuba uns, womit wir dem Land dienen können – und es wird in uns wahre Söhne und Töchter haben", rief er aus.
Zu den Warnungen Fidels über die Gefahren eines Atomkrieges von Seiten des Imperialismus, sagte er, dass nach dem Sieg der Rechten und der extremen Rechten bei den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten die Drohungen gegenüber Kuba und Venezuela wieder beginnen¼
"Die Bedrohungen werden weitergehen und ich setze großes Vertrauen darauf, dass diese neue Welt, die es bereits gibt, die Bedrohung durch das Imperium neutralisieren wird. Ich nehme den Warnungen Fidels nicht ihre Wichtigkeit. Gestern Abend sprachen wir mit Fidel eine Weile darüber, und ich sagte, wie Fidel in einer seiner Reflexionen gesagt hatte, dass er sich hoffentlich irren werde", stellte er fest.
"Ich komme", sagte er, "aus dem Gebiet des Mittleren Ostens und dort gehen Kriegsvorbereitungen vor sich, das Imperium hat sich installiert und das Volk des Iran steht für die Verteidigung seiner Souveränität bereit, und viele andere Länder treffen ihre Vorsichtsmaßnahmen."
Er wies darauf hin, dass sich hoffentlich kein größerer Konflikt entfesselt, der uns zu einem Atomkonflikt führen könnte, wie Fidel sagt, der dieses Thema studiert hat und zu einem Meister auf diesem Gebiet geworden ist, ein Krieg, der einen nuklearen Winter hervorriefe, der das Leben dieses Planeten zerstören würde.
Fidel, bedeutete Chavez, habe mit seiner Warnung sehr geholfen, dass die Völker und Regierungen der Welt sich dieses Problems bewusst werden.
Über die Perspektiven der bilateralen Beziehungen gab er an, das im nächsten Jahr 50 Jahre seit der Bekanntgabe des sozialistischen Charakters der kubanischen Revolution vergangen sein werden, "darüber sprach ich heute mit Raúl", weshalb man in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft mit wissenschaftlichem Blick schauen sollte.
"Wir in Venezuela haben eine erste Strecke zurückgelegt, 10 Jahre, und jetzt schauen wir auf 2010-2020 und 2020-2030."
Wir haben eine Offensive eingeleitet, bemerkte er, wirtschaftlich, international, sozial, politisch, der Vertiefung, der Nachprüfung, der Berichtigung, des neuen Schwungs, eine ethische, moralische, kulturelle, die diese gesamte zweite Dekade der Bolivarianischen Revolution von 2010 bis 2020 kennzeichnen wird.
Er sagte, dass in dieser zweiten Dekade der Bolivarianischen Revolution und in der sechsten Dekade der Kubanischen Revolution "ich mir sicher bin, dass sich unsere beiden Völker und Revolutionen weiterhin gegenseitig unterstützen, und dass wir uns stärken werden".
